Abschied von unserem Jack Russell #12aus12

Vor 16 Jahren haben wir uns entschieden, dass wir einen Hund in unserem Leben wollen. Es sollte ein Jack Russell sein. Im August habe ich über Kleinanzeigen eine Annonce einer Hobbyzüchterin gefunden. Wir haben angerufen und konnte direkt hinfahren und die Welpen kennenlernen. Fünfzehn Jahre haben wir miteinander verbracht. Nun nehmen wir Abschied von unserem Jack Russell Pitt. Dieser #12aus12 Beitrag ist an dem Tag entstanden, nachdem wir das letzte Mal mit Pitt beim Tierarzt waren.

Details

Auf Social Media habe ich in letzter Zeit immer wieder von Pitt erzählt. Ich habe einen Beitrag veröffentlicht, indem ich von seiner Demenz und seiner Athrose erzähle, ich habe über meine Liebe zu ihm geschrieben und ich habe veröffentlicht, als er gegangen ist. Das ist kein fachlicher Content. Es zeigt mich als Menschen ganz nah dran. Am Dienstagabend habe ich an einem Workshop von Svenja Walter teilgenommen (The 365 Challenge). Sie lädt ein, eine Fotosafarie durch den eigenen Alltag zu machen und dabei auch Details aufzunehmen. Beim Erzählen und beim Zeigen geht es um die Mischung der Perspektiven. 

Abschied - Zeitschriftenstapel nah dran

Der Morgen nach dem Abschied

Der Morgen nach dem Abschied ist unwirklich. Rabauka liegt auf dem Sofa. Wie immer ist sie ganz eng zusammengerollt. Sie liegt da, als hätte sich nichts verändert und doch hat sich alles verändert. Kein Getrappel von kleinen Pfoten hat mich geweckt. Ich bin nicht hektisch aus dem Bett aufgesprungen, um Pitt schnell rauszusetzen, damit er nicht reinpinkelt. Ganz langsam bin ich aufgestanden und habe Kaffee gemacht. Auf einmal ist alles ganz langsam.

Abschied - zusammengerollter Hund

Spazieren

Ich bin so glücklich, dass es Rabauka gibt. Mit ihr gehe ich eine Runde in den Wald. Immer wieder dreht sie sich nach mir um. Meine Uhr erzählt mir, dass ich viel langsamer als sonst unterwegs bin. Das ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass ich unterwegs bin. Zuhause starrt Rabauka auf Pitts Platz. Doch der ist nicht mehr da. Immer wieder kontrolliert sie, ob sein Napf da steht, wo er immer war.

Abschied - Hund sitzt auf dem Weg

Abschied nehmen heißt auch erinnern

Am Morgen bevor wir zum Tierarzt gefahren sind, haben wir Pfotenabdrücke mit Pitt gemacht. Zwei haben wir in Knete gedrückt, um sie später mit Gips auszugießen und zwei haben wir in Ton gedrückt. Jetzt liegen die Abdrücke in der Küche. Es sind kleine Abdrücke mit einer riesigen Geschichte.

Abschied  - Pfotenabdruck in Ton

Abstand nehmen

Wir packen alles, was wir brauchen ins Auto. Für eine Nacht fahren wir an die Ostsee. Wir wollen nach Großenbrode. Dort fahren wir hin, wenn wir mal raus müssen. Rabauka fährt nicht gerne Auto, aber heute ist es kein Problem.

Abschied - Hund im Auto

Erst altes wegbringen.

Bevor es losgeht an die Ostsee, bringen wir Leergut weg. Ich mag das. Flaschen in den Automaten schieben und sehen, wie sich auf dem Bildschirm die Zahlen verändern, beruhigt mich. In den Supermarkt gehe ich nicht gerne. Es ist so bunt und laut. Heute fühlt es sich dumpf an.

Abschied - Leergut im Einkaufswagen

Abarbeiten

Seit Tagen schaffe ich es nicht richtig, mich mit meinen Mails zu beschäftigen. Doch es gibt Dinge, die ich machen muss und ich weiß, dass Menschen darauf warten, dass ich ihnen Unterlagen schicke. Auch wenn ich bei der Autofahrt lieber aus dem Fenster starren möchte, klappe ich den Laptop auf und arbeite.

Abschied 

Essen gehen

In Großenbrode gibt es an der Promenade einen Griechen. Wir haben das Restaurant vor vier Jahren entdeckt. Seitdem gehen wir immer wieder hin. Heute finde ich in der Speisekarte ein neues Detail. Sie schreiben auf der ersten Seite, dass sie das Fleisch aus der Region beziehen und ihr Gyros selber machen. Solche Details liebe ich. 

Abschied - Bild einer Speisekarte

Zusammen still

Im Restaurant reden wir nicht viel. Wir bestellen eine Flasche Wasser und eine Flasche Wein. Vor dem Essen bringt der Kellner einen Ouzo. Er ist ernst. Wir stoßen an. „Pitt mochte kein Alkohol. Nur einmal hat er aus Versehen an einem Baileys geleckt.“ Ich lächle und versuche mich an die Geschichte zu erinnern. Es gelingt mir nicht. „Pitt wollte immer Kaffee trinken. Zwei Mal ist es ihm gelungen.“ Sage ich. Wir haben dem Terrier immer gesagt, dass niemand einen Jack Russell auf Koffein braucht. Ich weiß nicht, warum Menschen zu ihren Tieren solche Sachen sagen.

Abschied - Tisch im Restaurant

Abschied nach dem Essen

Mein Partner bestellt immer denselben Gyrosteller. Vorher studiert er ausgiebig die Karte und überlegt. Zu seinem Gericht gehört ein Stück Lammfleisch. Pitt liebte Lamm. Mein Partner hat den Knochen immer in eine Serviette gewickelt und mitgenommen. Seit wir Rabauka haben ist es schwieriger. Pitt hat den Knochen trotzdem bekommen. Ich habe ihn rausgeholt und mein Partner hat ihm heimlich draußen den Knochen gegeben. Heute bekommt sie ihn. Wir sitzen auf der Bank im Auto und erzählen uns, wie Pitt Lamm liebte.

Abschied - Bild von Spaghetti

Spaziergang im Schnee

Vor dem Schlafen gehe ich mit Rabauka spazieren. Das tut gut. Wir gehen einen Wanderweg entlang. Der Neuschnee macht, dass es hell genug ist. Am Strand ist der Sand hart gefroren und die Wellen hinterlassen Eisschollen. 

Hund im Schnee - Abschied

Gute Nacht

Ich liebe das Bett im Auto. Die Standheizung läuft und ich denke daran, wie Pitt sich immer direkt davor gesetzt hat. Er hat jede Wärmequelle gefunden, seit er ein Welpe war. Er lag direkt vor dem Ofen und saß neben jedem Feuer. Ich liege im Bett und denke an ihn. Abschied heißt erinnern und Trauer ist Liebe. Gute Nacht Pitt!

Bett im VW-Bus - Abschied

Abschied - Zeitschriftenstapel nah dran

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert