Wie ich mir selber mehr zutraue. 

In der letzten Woche habe ich fast 1000 Mails gelöscht. Ich hatte sie aufbewahrt, weil sie noch eine Inspiration sein können. Ich könnte die Themen aufgreifen und darüber schreiben. Letzte Woche wusste ich dann, dass es Zeit ist, sie zu löschen. Ich zeige mir damit auch, dass ich in meine Kreativität vertraue und mir damit mehr zutraue. Darum geht es in diesem Beitrag. Ich schreibe, wie ich mir mehr zutraue.

Wovon träumst du?

2021 habe ich die Storytelling Masterclass bei Uwe Walter besucht. Er fragte nach unserem Traum: „‚Worin willst du die Beste sein?“ Diese Frage konnte ich nicht beantworten. Seit fünf Jahren begleitet sie mich jetzt. Was ist mein Traum? In einem autobiografischen Schreibprojekt schreibe ich darüber. Auf Pinterest sammle ich Bilder. Und natürlich beobachte ich mich. Ich sammle die Momente, in denen ich denke: „Das will ich auch!“ Diese Momante, sind meine kleinen Wegweiser. 

Ich bin nicht genug.

Schnell verstand ich, dass ich mir Träume nicht erlaubt habe, obwohl ich gleichzeitig viel in meiner Traumwelt war. In meiner Traumwelt hatte ich keine Sehbehinderung. Diese Welt war, als hätte ich das Barbiespiel fortgesetzt. Meine Barbie hatte ein Caprio und einen großen Schlüsselbund. Sie war erfolgreich. Es waren Träume, bei denen immer klar war, dass ich sie nicht erreichen werde. Ich werde nie Autofahren, weil ich keinen Führerschein machen darf. Um meine Sehbehinderung habe ich viel aufgebaut. Sie funktionierte als Grund, dass ich nicht gut genug sein kann. Immerhin hatte ich in meiner Schulzeit erlebt, dass ich nicht gut genug sein kann. 

Und dann habe ich verstanden

Irgendwann habe ich nicht mehr gefragt, warum ich keine Träume habe. Ich habe meine Träume gesehen und ich habe angefangen, zu sehen, wofür die Sehbehinderung gut war, was ich gelernt habe. Ich bin sehr gut im Auswendiglernen, obwohl ich mich mit Vokabeln schwer getan habe. Ich kann gut Informationen aufnehmen, wenn ich Menschen zuhöre und ich kann mich gut anpassen. Während ich das deutlicher sah, verstand ich auch, dass ich machen muss, was mir wichtig ist. 

Wie ich mir selber mehr zutraue?

Als ich angefangen habe, meine Superkräfte (was ich durch die Sehbehinderung gelernt habe bzw. dadurch, dass ich versucht habe, sie zu verstecken) zu sehen, habe ich aufgehört Erklärungen zu sammeln, warum ich nicht gut genug bin. Das war weder ein leichter noch ein schneller Weg. Wenn Menschen von solchen Prozessen schreiben, klingt es oft, als wäre es bei ihnen so einfach, doch das ist es nicht. Erst vor wenigen Wochen sagte im Reitstall jemand zu mir: „Jetzt hör endlich auf, dein Reiten so schlecht zu machen!“ Es hört nicht einfach auf. Irgendwie ist es ein verwaschener Prozess. Es ist nicht so, dass das eine Gefühl aufhört und dann das andere anfängt. Ein neues Gefühl und neue Gedanken über mich sind eingezogen. Wann genau das passiert ist, weiß ich nicht. Ich weiß, dass es jetzt da ist. Trotzdem gucke ich mich manchmal um und wünsche mir eine Erlaubnis, weiterzugehen. 

Mir selber mehr zuzutrauen, kommt vor allem dadurch, dass ich ausprobiere. Ich probiere aus, was passiert, wenn ich online über ein Thema schreibe, dass mir wichtig ist und wie Menschen reagieren, wenn ich frage, ob wir uns treffen wollen. Immer wieder bin ich dabei außerhalb meiner Komfortzone. Das fühlt sich dann aufregend an. Um meine Batterien aufzuladen, muss ich ab und zu wieder zurück gehen. 

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